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Berichte

Neue Trainerin für den LAV Meppen
 

Helen Dittmann vom Leichtathletikverein Meppen 1991 e.V. absolvierte in diesem Jahr in Wallhöfen sowie an der Landesturnschule in Melle ihre Ausbildung zur Trainerin - C im Rhönradturnen.

In drei Blockwochen wurden die Disziplinen des Rhönradturnens theoretisch und vor allem praktisch durchgearbeitet. Im Vordergrund standen hierbei die Hilfe – und Sicherheitsstellung bei verschiedenen Übungen. Rhönradtechnik, Anatomie – Physiologie, Trainingslehre, Pädagogik & Psychologie, aber auch Verein – und Verbandswesen, eine schriftliche Klausur und eine abschließende Lehrprobe standen auf dem Programm. Neben diesen Kursen gehörte zur Trainer – C – Ausbildung eine ausführliche Ausbildung in 1. Hilfe und ein Grundlehrgang des Niedersächsischen Turnerbundes.

Nach erfolgreichem Abschluss der vorgeschriebenen Maßnahmen erhielt die 19jährige Übungsleiterin vom Niedersächsischen Turner-Bund (NTB) die Lizenz als Trainerin C des Deutschen Sportbundes.

Helen ist seit acht Jahren als Sportlerin im LAV aktiv und leitet seit einem Jahr eine eigene Trainingsgruppe für die Anfänger und Anfängerinnen im Rhönradturnen.

 

 

 

Bericht aus der MEPPENER TAGESPOST – EMSLANDSPORT vom 13. November 2012

 

Wenn Zehnjährige bereits am Rad drehen

 

Emslandsport-Reportage: Kilian Hermes ist Rhönradturner

 

Von Dieter Kremer

 

MEPPEN. Beinahe wie in Zeitlupe rollt Kilian Hermes in seinem weißen Gestell über den Hallenboden. Wie in einem Hamsterrad bewegt er sich durch die Halle der Paul-Gerhardt-Schule Meppen. Nur nicht mit den Füßen. Sein Fortbewegungsmittel sind zwei parallel angeordnete Reifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden sind. Zwei davon mit Brettern besetzt, an denen Lederschlaufen befestigt werden. Durch diese Bindungen hat der schmächtige Junge seine Füße gesteckt. Seine Hände umklammern die Griffe, die an zwei der Sprossen befestigt sind.

 

Kilian Hermes ist zehn Jahre alt. Wie viele Jungs in seinem Alter hat er auch Fußball gespielt. Aber mittlerweile ist der Junge aus Bokeloh erfolgreicher Rhönradturner beim LAV 91 Meppen. Im Oktober wurde er in Hambergen (Bremen) Landesmeister. Durch seine 15-jährige Schwester Janina, die in der Bundesklasse niedersachsenweit die beste Rhönradturnerin ist, kam Kilian vor etwa anderthalb Jahren zu diesem Sport. Und blieb. „Mir gefällt das Spiraleturnen und meine Kür am besten“, sagt Kilian Hermes. Seit kurzer Zeit trainiert sogar ein Freund mit. „Er wollte sich das einmal angucken und fand das toll.“

 

16 Rhönradräder stehen in der Halle. Kilian Hermes ist an diesem frühen Abend der einzige Junge unter neun Mädchen. „Wir hatten eigentlich immer Jungs dabei. Früher ganz viele, aber da hatten wir auch einen männlichen Trainer, was vielleicht auch damit zusammenhängt“, erklärt Christina Wulf. Die Trainerin lobt ihren Schützling: „Kilian ist ziemlich beweglich. Und hat gute Kraftverhältnisse. Das ist stimmig im Moment. Und Kilian hat genau wie Janina Biss. Er will unbedingt. Aber er ist noch jung.“

 

Kilian Hermes hat Spaß an dem Sport, den er voll konzentriert und stumm ausübt. Gleichzeitig gesteht er: „Bei manchen Teilen wie der Spagatbrücke, die ich turne, da habe ich schon ein bisschen Angst. Und beim letzten Teil, dem Hochschwingen auf die Stange, auch ein bisschen. Aber ansonsten ist es ziemlich entspannt.“

 

Trainiert wird dreimal in der Woche, vor Meisterschaften sogar fünfmal. „Am Anfang hat man sehr große Erfolgserlebnisse, weil man in jeder Trainingseinheit ein neues Teil lernen kann“, so Wulf. Später trainiere man ein Teil oftmals monatelang. Besondere Voraussetzungen muss man nicht erfüllen. „Rhönradturnen kann jeder lernen“, sagt Wulf. „Wer mutig ist und Körperspannung hat“, ergänzt Edeltraud Bohn.

 

Sie leistete vor fast 30 Jahren in Sachen Rhönradturnen im Emsland echte Pionierarbeit. Beim TV Meppen gründete sie die Rhönradabteilung, die es irgendwann zum LAV zog. „Ich habe diese Sportart damals in Melle bei einer Fortbildung entdeckt. Ich habe gedacht, das ist etwas Tolles für diejenigen, die vom Turnen kommen und keine große Leistung mehr bringen wollen und können. Dann haben wir uns drei Räder angeschafft. Damit fing 1985 oder 86 alles an“. Kontinuierlich folgte der Auf- und Ausbau der Abteilung. Um den Sport zulernen, nahmen Bohn und Co. Anschauungsunterricht: „Wir sind früher oft nach Oldenburg gefahren zum Training“, so Wulf. „weil Oldenburg damals der führende Verein war. Wir haben es uns angeschaut, weil wir keinen hatten, der Rhönrad turnte. Wir haben uns alles komplett selbst beigebracht.“ Und was macht die Faszination Rhönradturnen aus? „Wenn sie sich reinstellen, dann wissen sie das. Es ist ein irres Gefühl“, strahlt Bohn.

 

Drei Disziplinen gibt es: Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung. Beim Geradeturnen rollt das Rad immer auf beiden Reifen. Es werden Pflicht und Kürübungen geturnt, wobei Elemente aus dem Reck- und Barrenturnen verwendet werden. Beim Spiraleturnen bewegt sich das Rhönrad auf nur einem Reifen, es „tellert“. „Sobald das Rad auf beide Reifen kommt, gibt es Abzüge“, so Wulf. Durch Gewichtsverlagerung und Armzug erreichen die Turner die Spirale. Die dritte Disziplin ist der Sprung. Dabei wird das Rad angeschoben und der Turner macht einen Sprung nach vorne auf eine Weichbodenmatte.

 

In der Anfängergruppe werden sechs Teile geturnt, wobei sich jedes Kind aussuchen darf, welche Teile es turnen will. Von der Anfängerklasse geht es in die Schülerklasse. Wulf: „Da darf man auch bei Wettkämpfen starten.“ Für die älteren gibt es die Jugendklasse, die vier Jahrgänge (15 bis 18 Jahre) umfasst. „In dem Jahr, in dem man 19 wird, geht man hoch in die Erwachsenenklasse.“

 

Zwischen 1000 und 1500 Euro kostet ein Rhönrad, das echte Handarbeit ist und nur von zwei Herstellern produziert wird. „Je nach Größe und ob es geteilt werden kann“, erklärt Wulf. In bis zu vier Teile lässt sich das Rad teilen. „Damit man es besser ins Auto packen kann.“ Den guten Zulauf führt Wulf zum einen auf die Erfolge zurück. „Und keiner kommt alleine hierhin. Jeder bringt Freunde mit. Natürlich bleibt nicht jeder. Das ist ganz klar.“ Doch Kilian Hermes blieb.

 

Weitere Infos unter www.rhoenrad-dtb.de beziehungsweise www.lavmeppen.de oder www.mtv-lingen.de

 

 

In Rhön entwickelt

 

Ursprung: Das Mutterland des Rhönradturnens ist Deutschland. 1920 – 1922 entwickelte Otto Feick in der bayerischen Region Rhön das neuartige Sportgerät. 1925 meldete Feick seine Erfindung als „Reifen-Turn-und Sportgerät“ zum Patent an. 1926 wurde der heutige Name „Rhönrad“ geschützt und eingetragen.

 

Disziplinen: Neben den Einzeldisziplinen Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung gibt es noch Partnerturnen, Synchronturnen und Partnerspirale. Bei Wettkämpfen werden die Ausführung, der Schwierigkeitsgrad und das Vorhandensein von verschiedenen feststehenden Elementen bewertet.

 

Wettkämpfe: Mitte Oktober traf sich die 51. Deutsche Rhönradelite zur Deutschen Meisterschaft in Wurmlingen. An der letzten Rhönrad-WM in Arnsberg nahmen 2011 rund 130 Aktiven aus 15 Nationen teil. Am 18. November finden die emsländischen Kreismeisterschaften in Lingen statt.

 

Fotos Emslandsportredaktion:

Foto 1: Mut und Körperspannung verlangt das Rhönradturnen. Kilian Hermes verfügt über beide Eigenschaften. Der Zehnjährige ist Anfang Oktober Landesmeister geworden.

 

Foto 2: Die Trainingsgruppe von Kilian Hermes: Hinten in der roten Trainingsjacke ist Christina Wulf zu erkennen, links daneben steht Janina Hermes, Kilians ältere Schwester. Auch beim MTV Lingen gibt es eine Rhönradabteilung.

 

 


 


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